Hilfe, Mein Hund hat Epilepsie!

Nächsten Samstag wird unser Gismo schon sieben Jahre alt. Jedes Mal, wenn Gismo`s Geburtstag vor der Tür steht, werden wir auch an ein anderes Ereignis erinnert: an seinen ersten epileptischen Anfall. Ein nicht so schönes Jubiläum - mit dem wir uns allerdings mittlerweile ganz gut arrangiert haben.
Kurz vor seinem 2. Geburtstag hatte Gismo seinen ersten Krampfanfall. Das ist heute ziemlich genau fünf Jahre her. 5 Jahre, in denen viel passiert ist. Anlass genug für mich, hier und heute einmal darüber zu schreiben. Nach dieser Zeit hat sich nun doch ein gewisser Erfahrungsschatz angehäuft, den ich anderen Hundebesitzern nicht vorenthalten möchte.

Ein Anfall ist keine Anfall, heißt es. So war nach dem ersten Krampfanfall noch die Hoffnung da, dass es bei dem Einen bleibt. Diese Hoffnung wurde jedoch kurz darauf zu Nichte gemacht und es war klar: Gismo hat Epilepsie.
Nun ist man bei dem Ersthund sowieso noch mit diversen Unsicherheiten konfrontiert, hat gerade die Welpen- und die „Sturm & Drang - Zeit“ gut überstanden und dann diese Diagnose. In der ersten Zeit befindet man sich nun in einem Wechselbad der Gefühle - zwischen totaler Überforderung, Hilflosigkeit und Verzweiflung.
Im Laufe der Jahre haben wir nun gelernt, mit dieser Krankheit umzugehen. Natürlich ist es nicht immer einfach, es gibt Höhen und Tiefen, aber die vielen wunderbaren Momente haben uns gezeigt, dass es sich lohnt.
Gismo ist ein ganz normaler Hund: wir gehen im Sommer Wandern und im Winter Rodeln und Schneeschuhwandern. Wir verreisen mit unserem Campingbus, waren bereits in Tschechien, Kroatien und Slowenien.
3 Jahre lang hat dreimal am Tag der Wecker geläutet: Tablettenzeit. Um halb 8 Uhr morgens, um 14.30 Uhr am Nachmittag und um 21 Uhr am Abend. Zu diesen Zeiten musste man immer eine Tablette zur Hand haben und irgendetwas, mit dem die Tablette in den Hund zu bekommen war. Als Mittel der Wahl hat sich hier die Banane bewährt. Gismo liebt Bananen und man kann in dieselbe wunderbar Tabletten stecken. Vor Allem kann man sich bei dieser Methode sicher sein, dass die Tablette auch wirklich im Hund landet. Bei diversen Leckerchen geht schonmal nur das Leckerli rein und die Tablette fällt unbemerkt irgendwo wieder raus.
Soweit so gut, nun möchte ich euch aber noch die versprochenen Tips geben.

1. Während des Anfalls Ruhe bewahren:
Ich weiß, das klingt einfacher als es ist. Ein Krampfanfall ist ein schrecklicher Anblick: Der geliebte Hund liegt krampfend am Boden, hat Schaum um`s Maul und verliert eventuell auch noch Urin und/oder Kot. Während der ersten Anfälle haben wir immer noch versucht, ein Handtuch oder Ähnliches ins Maul zu stopfen, damit die Zunge nicht verschluckt wird. Ich hatte in Erinnerung, dass man das bei Menschen so macht. Zum Glück hat uns später ein Tierarzt erklärt, dass Hunde im Gegensatz zu Menschen, ihre Zunge während eines epileptischen Anfalls nicht verschlucken können und uns dringlichst empfohlen, das in Zukunft zu unterlassen. Bei einem Hund ist lediglich wichtig, dass er sich während des Anfalls nicht verletzen kann, z.B. an Gegenständen, wie Tischfüssen o.Ä.
Wichtig ist auch dass man wenigstens versucht, Ruhe auszustrahlen und auf die Uhr zu sehen. Der Tierarzt wird immer fragen, wie lange die Anfälle dauern. Gerade am Anfang ist auch empfehlenswert, ein Video zu machen, welches man dem behandelnden Tierarzt zeigen kann.
Und wo wir schon beim Thema Dokumentation sind, hier der nächste Tip:


2. Tagebuch führen:
Und zwar in dem Sinn, dass man sich diverse Notizen zum Anfallsgeschehen macht: um welche Uhrzeit hat der Anfall begonnen, wie lange hat er gedauert, gab es eventuell noch einen Anfall und ist dieser eventuell anders verlaufen. War an diesem Tag irgendetwas anders, etc. Ich habe hierfür einen kleinen Jahreskalender, in dem ich mir diese Notizen vermerke. Darin habe ich auch Impfungen und Wurmkuren vermerkt und konnte dadurch z.B. feststellen, dass immer exakt 14 Tage nach der Impfung ein Krampfanfall kam. Es gibt auch Hunde, die auf den Mond oder auf Wetterumschwünge reagieren. Auch wenn man hier nicht viel unternehmen kann, so kann man vielleicht wenigstens etwas darauf vorbereitet sein.

3. Den Hund richtig durch die Erholungsphase begleiten:
Während des epileptischen Anfalls sind die Nervenzellen im Gehirn des Hundes „Out of Order“. Manche sprechen von einem Gewitter im Gehirn, ich sage immer: die Nervenzellen machen Party.
Nach so einer Party benötigen die Nervenzellen eine gewisse Zeit, um sich zu regenerieren, manche schaffen dies auch nicht mehr. So ist es möglich, dass der Hund kurz nach dem Anfall nicht hören oder sehen kann und orientierungslos ist.
Die Erholungsphase ist bei jedem Hund unterschiedlich. Oft habe ich schon gelesen, dass Hunde nach dem Krampfanfall schlafen - das Naheliegendste, da ein Hund nach so einem Anfall ja erschöpft ist. Ist dies der Fall, sollte man dem Hund diese Ruhe auf jeden Fall gönnen.
Die andere Möglichkeit ist, dass der Hund nach dem Anfall einen unkontrollierten Bewegungsdrang hat. So bei Gismo: Kaum wieder bei Bewusstsein, versucht er mit aller Gewalt auf die Beine zu kommen um dann orientierungslos durch die Gegend zu laufen,  Am Anfang haben wir verzweifelt versucht, ihn zu bremsen und irgendwie zur Ruhe zu bringen und ihn davon abzuhalten, schnurstracks gegen die nächste Wand zu laufen. Auch hier haben wir wieder einen Tip bekommen: der unkontrollierte Bewegungsdrang ist nicht aufzuhalten! Am Besten ist hier: Brustgeschirr an, Flexleine dran und raus. So haben wir uns nun angewöhnt, dass sich immer einer von uns fertig macht, um vor die Türe zu gehen, während der andere bei Gismo bleibt, bis der Krampfanfall vorbei ist. Auch draußen ist es nicht immer ganz ohne, da Gismo in diesem Zustand unglaubliche Kräfte entwickelt und schwer kontrollierbar ist. Aber, auch das geht vorbei und irgendwann normalisiert sich der Zustand und er wird wieder für hoffentlich viele Wochen zu einem ganz normalen, fröhlichen, aktiven Hund….

4. Der Krankheit nicht zu viel Aufmerksamkeit schenken und den Hund nicht bemitleiden
Natürlich hat man Mitleid mit seiner geliebten Fellnase! Das ist allerdings zum Einen wenig hilfreich und zum Anderen gar nicht nötig. Der Hund ist während des Anfalls nicht bei Bewusstsein und hat auch keine Schmerzen. Außerdem hat der Hund im Gegensatz zum Menschen den Vorteil, dass er kein Schamgefühl hat. So schämen sich Menschen oftmals, da auch sie durch den Verlust des Bewusstsein und den Verlust der Kontrolle über die Muskeln, Urin verlieren.
Natürlich wissen wir nicht, wie es danach aussieht. Menschen mit Epilepsie berichten häufig von Muskelkater und/oder Kopfschmerzen nach einem Anfall. Das wissen wir leider nicht.
Auch bei uns ist es nach wie vor so, dass die Krankheit einen gewissen Raum einnimmt. Wir verzichten auf einiges und nehmen natürlich Rücksicht. Besonders am Tag nach dem Anfall, wird der Tagesablauf so gestaltet, dass es für Gismo am unaufgeregtesten und entspanntesten ist. Und natürlich ist sie immer wieder da, die Angst vor dem nächsten Anfall. Manchmal schreckt man auf, Mitten in Nacht, weil man irgendein Geräusch wahrnimmt und einen Anfall befürchtet.
Dennoch dreht sich nicht alles darum und wir haben uns damit abgefunden...

5. Auch alternativen Therapien eine Chance geben
Zu Beginn ist es auf jeden Fall wichtig, einen Tierarzt zu finden, der mit der Krankheit schon eine gewisse Erfahrung hat. Wir sind nach ca. einem Jahr bei einem Kleintierneurologen gelandet, der uns viel geholfen hat. Der Alternativmedizin habe ich allerdings leider erst eine Chance gegeben, nachdem sich Gismo aus schulmedizinischer Sicht mehr und mehr therapieresistent gezeigt hat. Das würde ich heute anders machen. So schließt nämlich das Eine, das Andere keinesfalls aus. Sprich: auch bei einer schulmedizinischen Therapie kann man alternativmedizinisch unterstützen. Es ist sogar unbedingt zu empfehlen! So werden viele Aspekte in der Schulmedizin ausser Acht gelassen, wie z.B. der erhöhte Nährstoffbedarf eines Epileptikers.
Ganz wichtig ist hierbei, nicht eigenmächtig zu handeln, da schulmedizinische Antiepileptika starke Medikamente sind, die weder eigenmächtig verabreicht, noch eigenmächtig abgesetzt werden dürfen.
Für die Unterstützung mit natürlichen Mitteln biete ich mittlerweile Online-Seminare, sogenannte Webinare an. Anschließend besteht auch die Möglichkeit einer individuellen Beratung, ist doch jeder Epileptiker einzigartig. Daher ist es auch wenig hilfreich, die Therapie von einem anderen Hund zu übernehmen. Hilft es dem einen Hund, heißt das noch lange nicht, dass es auch dem Eigenen hilft.

In der Hoffnung, jedem Betroffenen mit meinen Tips ein wenig geholfen zu haben, möchte ich abschließend noch etwas Positives mit auf den Weg geben: so schlimm diese Krankheit auch ist, so schweißt sie einen doch auch zusammen und man genießt die schönen Momente umso mehr.

Um kein Geld der Welt würden wir unseren Gismo hergeben oder gegen einen gesunden Hund eintauschen wollen.

 

"Du bist zeitlebens für das Verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast." Antoine de Saint-Exupery

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Kommentare: 1
  • #1

    Claudia (Mittwoch, 01 März 2017 14:22)

    Hallo Doris,
    das ist ein echt toller Artikel. Das hilft sicher vielen Hundebesitzern weiter.
    LG Claudia&Lady